Welt am Sonntag vom 1. November 1998
Restaurant-Tip
Trüffel-Gala und Erotik-Menü in der Fasanenstraße
Von Sibylle Togotzes
Weil die Fasanenstraße inzwischen eine Einkaufsmeile der feinsten Art geworden ist, nennt sich das zwischen Luxus-Designer-Läden gelegene italienische Restaurant in der Nummer 73 "Via Condotti" - nach der weltweit exklusivsten Einkaufsstraße in Rom.
Hier bietet der neue Küchenchef, frisch aus Turin eingeflogen, klassische italienische Küche. "Die finden wir besser als die modische Küche," sagt Mario Tamponi, der im "Via Condotti", das genau gegenüber dem Literaturhaus "Wintergarten" liegt, für die Kultur verantwortlich zeichnet. Denn das Restaurant soll nicht einfach ein Speiselokal, sondern "ein Kulturrestaurant, wo die Küche stimmt", sein. Ein gemütlicheres
Ambiente ist geplant.
Tamponi, der zwei italienische Doktorentitel führt, ist ursprünglich Journalist und hat sich unter anderem dem italienisch-deutschen Kulturaustausch verschrieben. Schon die Eröffnungsfete des "Via Condotti" Anfang Juli blockierte mit ihren 1200 geladenen und ungeladenen Gästen die Fasanenstraße - sie war Tamponis Idee.
Kulinarische Wochen der verschiedenen italienischen Regionen, Konzerte, Lesungen, jeden Monat eine neue Kunstausstellung - zur Zeit werden Bilder von Roland Ladwig gezeigt, es folgt der Florentiner Andrea Nidiaci, und besondere Menüs aus besonderen Anlässen stehen auf dem Programm.
So am 14. November ein "Eros-Genuß", der nach der Idee von Küchen-Berater Renzo Pasolini den Amor im Wappen des Restaurants rechtfertigen und das Einnehmen von Viagra erübrigen soll: Lebensmittel als Aphrodisiaka. Wer hat noch nichts über die anregende Wirkung von Sellerie und Spargel, von Granatapfel und Eigelb, von Austern und anderem Meeresgetier gehört? Daraus ein Fünfgang-Menü mit weiteren leckeren Zutaten wie Fasan und Spinatravioli,
umrahmt von neapolitanischer Musik, Tango, und Kerzenschimmer (98 Mark, Tischbestellung erbeten).
Oder die Zeit der weißen Trüffel, die im Via Condotti" vom 21. bis zum 29. November gefeiert wird, mit einer Trüffel-Gala in Form eines durch und durch italienischen Fünfgang-Menüs für 110 Mark, Weine inclusive.
Der 34jährige Küchenchef, der aus Ligurien stammt und folglich ein Liebhaber des Pesto ist, bietet mit seinen ausschließlich italienischen Mitarbeitern eine umfangreiche gehobene italienische Speisekarte.
Die Mittagskarte (12 bis 16 Uhr) mit ihren fünf Angeboten zwischen 8 (Sorbetto al linione) und 16 Mark (Risotto mit Rucola und Krabben) wechselt alle drei Tage.
Hauptgerichte kosten bei Fleisch und Fisch zwischen 28 und 39 Mark, Paste zwischen 14 und 24 Mark, auch Risotti werden angeboten, dazu Vorspeisen ' , Salate, Suppen und Desserts für jeden Geschmack.
Dieses Vorspeisen-Rezept gehört zum Trüffel-Menü:
Kalbs-Tartar Albeser Art
Schabefleisch vom Kalb mit Salz, Pfeffer, Zitrone und Olivenöl würzen. Dünn (2 min) auf einen flachen Teller streichen, mit gehobeltem Parmesan, Pinienkernen und dünn gehobelten Trüffelscheiben (es dürfen auch schwarze sein) bestreuen, darüber in feine Streifen geschnittenen Rucola und noch etwas Trüffel geben.
Pressezitate
Ristorante Italiano vom Januar 1999
Berliner Zeitung vom 17. Juli 1999
Der Tagesspiegel vom 17. Juli 1999
Welt am Sonntag vom 1. November 1998
Berliner Kurier vom 17. Juli 1999
tip Stadtmagazin von 1999
International Community vom September 1999
Marcellino's Restaurant Report 2000
König Gastro Guide by Marcellino's
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